Wiener Prater
Von Tobias | 16.Juli 2007
Der Wiener Prater – das weltberühmte Wahrzeichen Wiens: Eine atmosphärische "Dauerkirmes"?
Wir haben dem Wiener Prater einen Besuch abgestattet und zeigen in unserem neuesten Special, wie man sich den Wiener Prater wirklich vor zu stellen hat.
Beim Prater handelt es sich um viel mehr als nur eine dauerhafte Kirmes ohne Themaitiserung, welche auf eine Betonplatte gestellt wurde.
Vielmehr finden sich im Wiener Prater neben einigen bekannten Kirmesgeschäften mit teilweise recht schöner Bemalung und Deko auch zahlreiche fest installierte Anlagen wie diverse Funhäuser, Geisterbahnen und auch Hoch- und Rundfahrgeschäfte, welche es gar nicht als transportable Version gibt.
Der Prater verfügt über zahlreiche Zugänge, ein neuer Haupteingang ist derzeit im Bau. Beginnen wir unseren Rundgang jedoch der Einfachheit halber bei der zweifellos bekanntesten Attraktion: Dem Prater-Riesenrad.
Dieses Riesenrad ist eine massive Stahlkonstruktion, welche stellenweise aufgrund der Verstrebungen der Speichen an den Eiffelturm in Paris erinnert. Die Gondeln erinnern stark an Bauwagen und sind sehr geräumig. Unterhalb des Riesenrads befindet sich ein großer Souvenirshop und eine Dioramenausstellung mit Modellen des Wiener Praters – Natürlich letzteres erst nach Zahlung des Eintritts für das Riesenrad.
Einzelpreissystem ohne Tickets oder Wristband
Hier sind wir dann auch schon bei der Besonderheit des Praters angekommen: Man zahlt für das Betreten des Geländes keinen Eintritt, muss dafür aber an jeder Attraktion, ganz im Kirmesstil, bezahlen. Ein Wristband (wie z.B. in skandinavischen Parks mit TIvoli-Preissystem) oder eine Rabattkarte (wie die angedachte "PraterCard") sucht man hier jedoch vergebens. Es gibt ab und zu Gewinnspiele auf der Prater-Website oder auch Gutscheine in Touristen-Broschüren, aber man sollte sich darauf einstellen bei jeder Attraktion den vollen Preis zu zahlen.
Doch folgen wir weiter unserem Rundgang: Als nächstes erwarten uns gleich zwei Achterbahnen: Die Dizzy Mouse und die Super-8-Bahn.
Letztere ist vom italienischen Hersteller Pinfari und verfügt über ein verschlungenes Layout mit zahlreichen Drops und Helices. Die ungewohnt kurzen 2-gliedrigen Züge bieten Platz für 6 Personen pro Fahrt.
Die Dizzy Mouse ist vielen sicherlich schon aus anderen Parks oder von der Kirmes her bekannt, es handelt sich um einen Spinning-Coaster aus dem Hause Reverchon.
Beide Bahnen strotzen jedoch nicht vor Deko, wie man zumindest beim Spinning Coaster hätte erwarten können. Dafür fahren sich beide jedoch recht gut, obwohl sie optisch nicht unbedingt in bester Verfassung sind.
Direkt dahinter finden wir eine Wildwasserbahn namens Donau-Jump, welche ohne einen – vom Namen her eigentlich zu erwartenden – Double-Down oder gar eine Sprungschanze auskommt.
Diese, eigentlich als transportable Anlage gebaute, Wildwasserbahn verfügt auch lediglich über die kirmestypische Thematisierung.
Go-Kart-Bahnen, Funhäuser und Geisterbahnen
Wir gelangen nun an eine der am häufigsten vorhandenen Attraktionen im Prater: Go-Kart-Bahnen, Funhäuser und Geisterbahnen stehen scheinbar auf Platz 1 der Österreicher, sonst wären sie wohl nicht so zahlreich vorhanden.
Von winzig klein (z.B. eine Kartbahn mit einer Streckenlänge von vielleicht 150m) über extrem trashig bis hin zu echten Klassikern (eine wirklich gute Geisterbahn von Anno-Dazumal) findet man im Prater – zumindest in diesem Sektor – nahezu alles. Doch dazu später mehr!
Es folgt ein Highlight der Laufgeschäfte namens Blue Planet, welches Special Effects und klassische Funhouse-Elemente auf mehreren Etagen geradezu perfekt kombiniert. Stellenweise mag man gar nicht glauben, daß man sich im Prater befindet, da alles sehr stark an die Dino-Attraktionen bei Disney in Orlando oder im Europa Park erinnert.
Direkt hinter Blue Planet, vorbei am Laufgeschäft Fun Ball, einem Funhouse mit Football-Thematisierung und Standardkost auf dem Funhouse-Bereich, gelangen wir zu einem der Fahrgeschäfte, welche erst vor kurzem gebaut wurden und bisher weltweit einmalig nur im Prater zu finden sind: Die Glocke.
Dieses Fahrgeschäft, welches von der Fahrbewegung an eine Huss Frisbee oder einen KMG Afterburner (nur mit einer wahnsinnig geringen Kapazität von 6 Personen pro Fahrt) erinnert, ist eine wahre Spaßmaschine. Die Fahrgäste nehmen am Klöppel der riesigen Glocke Platz und werden dort nicht nur – wie für Glocken üblich – hin und her geschaukelt, sondern auch noch um die Vertikalachse gedreht, teilweise mit sehr hohen Geschwindigkeiten.
Das benachbarte Geschäft Circus Hoppala erklärt man am Besten als Überkopfschiffschaukel mit um die Horizontalachse drehenden Gondeln ähnlich einem Arrow 4th Dimension Coaster (z.B. X in Six Flags Great Adventure). Bei hohen Temperaturen (wie an unserem Besuchstag) eher eine Attraktion, die man besser nicht fahren sollte. Ansonsten ist dieer Ride auch nur für absolute Fans von derartigen "Kotzschleudern" zu empfehlen.
Gegenüber dieser drei Attraktionen befindet sich die dritte Achterbahn auf unserem Rundweg: Zug des Manitu. Diese Attraktion ist ein Powered Kiddie-Coaster, welche aufgrund ihrer starken Schläge während der Fahrt wohl vorher einmal ein anderes Layout gehabt zu haben scheint. Tatsächlich ist diese Bahn aber wirklich einmal so berechnet und gebaut worden!
Die direkt daneben befindliche Geisterbahn Zombie, welche eher zum trashigen teil des Geisterbahn-Genres gezählt werden kann, lockt die vor der Glocke wartenden Besucher.
Die nächste Großattraktion unseres Rundgangs ist die Wilde Maus aus dem Hause Maurer Söhne mit dem bekannten Layout des Mack-Klassikers. Standardkost in Kirmesstil – trotzdem bietet sie eine ungeahnt sanfte Fahrt.
Baujahr 1950: Einer der jüngsten Scenic Railways der Welt
Auf uns wartet nun ein weiteres Highlight: Die Hochschaubahn. Diese, als Ersatz für die im 2. Weltkrieg zerstörte Originalbahn gebaute, Achterbahn verfügt wie alle klassischen Scenic Railways über einen Bremser und ist in eine Pappmaché-Kulisse des Großglockners eingebettet. Dei Fahrt selber ist nicht sehr spannend, bietet jedoch einige äußerst originelle Effekte. Auch der eher untypische Kettenlift lässt einige staunen. Er ist jedoch auf das recht junge Baujahr der Bahn zurück zu führen. Eine Fahrt mit dieser Bahn ist einfach ein absolutes Muss.
Wir durften übrigens einen Blick unter die Anlage werfen – Fotos davon gibt's in der Fotogalerie am Ende des Berichts!
Nach diesem Anstrengenden Rundgang brauchen wir erst einmal eine Pause – Eine sehr gute Gelegenheit bietet hierzu das Schweizerhaus an der südlichen Ecke des Praters, unweit von der Hochschaubahn. Dieses große Restaurant mit einer guten Organisation und hoher Kapazität bietet zu für deutsche Verhältnisse typischen Restaurantpreisen zahlreiche Österreichische Spezialitäten.
Frisch gestärkt setzen wir unsere Tour auf dem Prater fort: Durch einen der Mittelgänge des Praters gehen wir vorbei am neu gestalteten Kinderland zum Boomerang, der nächsten Achterbahn auf unserer Tour. Die Bahn fährt sich eigentlich wie jeder Vekoma-Boomerang, ist jedoch sehr schick lackiert und verfügt über einen Tunnel zwischen Scheitelpunkt der Cobra-Roll und der Einfahrt zum Looping.
Gleich gegenüber befindet sich ein Space-Shot von S&S Power Inc., welcher durch die österreichische Rekommandierung (welche übrigens an so gut wie jedem Fahrgeschäft vorhanden ist) öfter für Abwechslung sorgt.
Um gleich bei hohen Fahrgeschäften zu bleiben: Gleich rechts um die Ecke befinden sich zwei weitere Rides des Herstellers FunTime, welcher diese auch gleichzeitig auf dem Prater betreibt: Ejection Seat und Star Flyer.
Der Ejection Seat ist vielen auch als Sling Shot bekannt: Zwei Fahrgäste, in einem kugelförmigen Fahrgastträger aus Stahlrohren sitzend, werden mit gespannten Gummiseilen (bzw. in dieser Version mit Stahlseilen an gespannten Federn) vertikal nach oben geschossen und "federn" dort noch etwas nach.
Der Star Flyer, übrigens der Protoyp dieses Rides, bietet eine hervorragende Sicht über den Prater und über wien – nichts für Leute mit Höhenangst. Als besonderheit bietet der Star Flyer nicht nur ausschließlich Einzelgondeln oder ausschließlich Doppelgondeln, sondern diese sind abwechselnd aufgehängt, so daß Einzelfahrer auch alleine Sitzen können und sich den Doppelsitz nicht mit einer fremden Person teilen müssen.
Eine weitere Achterbahn befindet sich gleich gegenüber: Der Mega-Blitz, eine weitere kleine Kuriosität unter den Attraktionen des Praters: Es handelt sich um einen Vekoma MK-700 mit Inline-Seating (d.h. die Fahrgäste sitzen zu zweit – ähnlich einer Bobbahn – hintereinander in den Wagen) und sehr kurzen Zügen mit nur 3 Gliedern.
Der steile Lifthill befördert die Gäste auf ca. 20m und schickt den Zug durch sehr rasant durchfahrene Drops und Helices, unter anderem eine 720°-Steilkurve gegen Ende der Fahrt, welche es wirklich in sich hat.
Gleich neben dem Mega-Blitz bietet sich ein Schmankerl für den Freund klassischer Geisterbahnen. Die Besonderheit dieser Bahn ist, neben dem scheinbar recht hohen Alter, die Funktionsweise der Effekte. Wo bei anderen Bahnen Lichtschranken, Pneumatik und Elektromotoren die Figuren und Effekte steuern kommt hier ein Seilzugsystem zum Einsatz: Der Wagen schiebt die vor ihm erschienenen Geister anhand eines angebrachen Scharniers bei Seite oder betätigt Hebel, welche über einen Seilzug einen Geist tanzen lassen.
Wir führen unseren Rundgang in Richtung des zweiten und kleineren Blumenrads fort und gelangen zum Flying Coaster Volare. Dieser besticht durch sein eigentümliches Gondelsystem und den Spirallift. Die Strecke wird sehr schnell durchfahren und verteilt einige nicht zu unterschätzende Schläge. Glücklicherweise sind die Kopfstützen dick genug und federn die Schläge relativ gut ab.
Die Neuheit der Saison 2007 befindet sich gleich gegenüber: Der Tornado. Dieses Fahrgeschäft von Haus- und Hoflieferant Funtime paart eine Schaukel mit eigenartiger Schwingung mit einem Überschlagskarussell: Die Schaukelbewegung verläuft – von der Seite her gesehen – in etwa der Form einer liegenden 8, hervorgerufen durch einen konzentrisch drehenden Blitz, an dem die Seile für den Fahrgastträger aufgehängt sind. Zusätzlich verfügt die Gondel über einen Drehmechanismus, mit dem sich die Sitzbank per Elektromotor auch auf den Kopf stellen lässt.
Ebenfalls neu in dieser Saison ist die Wildalpenbahn, ein Spinning Rapids Ride von ABC Rides. Über einen Vertikallift starten die Rundboote, welche 6 Personen fassen, in den Kanal und legen innerhalb von ca. 3 Minuten einen Höhenunterschied von ca. 30m zurück. Dabei drehen sich die Boote mit einer ziemlich hohen Geschwindigkeit, fast schon mit einem der englischen Waltzer zu vergleichen. Es folgt ein kleiner Splashdown und die Boote schwimmen zurück in die Station, in welcher sie beim Ein- und Ausstieg über ein ausgeklügeltes Fließbandsystem so gedreht werden können, daß die Lücken zwischen den Sitzen einen problemlosen Ausstieg ermöglichen.
Nach diesem anstrengenden Programm sind wir dann auch schon wieder am Ausgangspunkt unseres Rundgangs angelangt: Dem großen Prater-Riesenrad.
Ein heißer Tag geht zuende und wir machen uns auf den Heimweg, mitgebracht haben wir einige Impressionen des Praters, welche wir in der Fotogalerie bereitgestellt haben.
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